Gewässergüte

Definition:

Die Gewässergüte wird anhand der am Gewässerboden lebenden Insektenlarven, Muscheln, Krebstiere, Würmer usw. (Makrozoobenthos) erhoben. Die Zusammensetzung dieser Lebensgemeinschaft variiert stark, je nach der Empfindlichkeit einzelner Arten gegenüber Veränderungen des Sauerstoffhaushaltes infolge des Abbaus organischer Verunreinigungen. Das Besiedlungsbild gibt somit Aufschluss auf das Ausmaß einer Schädigung durch Abwassereinleitungen.

Bis 2006 wurde die Gewässergüte anhand dieses Saprobiensystems (DIN 38 410) bewertet. Hierfür war eine 7stufige Darstellung der Belastungsstufen üblich, von „unbelastet“ bis „übermäßig verschmutzt“. Als Sanierungsziel galt die Güteklasse II, was einer nur mäßigen Abwasserbelastung entsprach.

Mit der EU-Wasser-Rahmenrichtlinie (WRRL) fand das Saprobiensystem in einer modifizierten Fassung Einzug in die europäischen Bewertungsgrundsätze:

Die Anpassungen betreffen die Berücksichtigung regionaler Unterschiede der Fließgewässersysteme (gewässertypbezogene Bewertung), den erweiterten Umfang der aussagekräftigen Tierarten und die Einführung einer nur 5stufigen Bewertungsskala mit neuen Klassengrenzen.

Auch wenn die WRRL eine ökologische Gesamtbewertung der Gewässer erfordert und hierfür weitere biologische Komponenten heranzuziehen sind, wie die Wasserpflanzen (einschließlich Algen) und der Fischbestand, bleibt das Saprobiensystem eine anerkannte wasserwirtschaftliche Bewertungsgrundlage, um die Beeinträchtigung durch Abwassereinleitungen zu beschreiben.

Umweltzustand und Entwicklung:

Die oben beschriebenen Anpassungen am Saprobiensystem im Zuge der Einführung der EU-WRRL erschweren einen unmittelbaren Vergleich der Daten vor und nach 2006. Dennoch wird deutlich, dass sich nach den raschen Zustandsverbesserungen in den 90er Jahren der positive Prozess weiterhin fortsetzt, wenn auch insgesamt verlangsamt hat. Sanierungsziel ist nunmehr ein zumindest guter saprobieller Zustand der Gewässer (Güteklasse 2).

Diagramm und Tabelle:

 

Diagramm Gewässergüte 2014

 

 

 
I (1)
I-II
II (2)
II-III
III (3)
III-IV (4)
IV (5)
1991
1,1
2,9
12,3
48,2
24,9
8,2
2,4
1993
1,0
2,8
26,6
48,4
13,3
6,0
1,9
1995
1,6
1,9
35,5
50,9
7,9
2,2
0,0
1997
1,7
5,8
46,4
36,9
7,2
1,5
0,5
1999
2,0
6,5
48,7
34,1
6,9
1,7
0,1
2001
1,6
19,1
45,2
27,4
5,2
1,4
0,1
2002
1,8
7,2
57,9
29,2
2,4
1,2
0,3
2003
1,6
7,0
58,8
28,2
3,1
1,2
0,1
2004
2,1
7,6
60,8
25,2
2,9
1,2
0,1
2006
1,9
7,7
62,3
24,3
2,7
1,0
0,1
 
 
 
 
 
 
 
 
2006
4,4
 
71,6
 
23,8
0,2
 
2008
4,6
 
73,9
 
21,3
0,2
 
2010
5,5
 
76,9
 
17,4
0,2
 
2011 5,5   80,1   14,3 0,0  
2012 4,9   81,0   14,1 0,0  
2014 5,0   80,9   14,1 0,0  
Quelle: Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie